Die Debatte um die Wölfe in Thüringen kocht immer weiter hoch. Zuletzt sorgte ein kurioser Wolfs-Aushang im Saaletal in den sozialen Medien für Wirbel (>>HIER<< mehr dazu). Die Verunsicherung im Freistaat wächst.
Ebenso die Debatte um den sogenannten Schutzstatus des Wolfes. Stimmen werden laut, die fordern, dass die Tiere einfacher zum Abschuss freigegeben werden sollen. Das wiederum bringt die Thüringer Tierschützer zum Toben. Was die zur ganzen „Wolfs-Hysterie“ sagen, liest du hier.
Thüringen: Lage der Halter wird nicht verbessert
Die Brombeer-Koalition steckt am Mittwoch (2. April) im Thüringer Landtag die Köpfe zusammen. Unter anderen steht auch der Antrag der Fraktionen CDU, BSW und SPD zum Thema Wolf auf dem Plan. Die Parteien fordern darin, den Schutzstatus des Wolfes auf EU- und Bundesebene herabzusetzen, sodass die Tiere einfacher abgeschossen werden können.
+++ Thüringen: Kurzes Intermezzo! Lokal nach wenigen Monaten wieder dicht +++
Der Naturschutzbund (NABU) Thüringen hat dazu eine klare Meinung. Er sieht den Antrag als „plumpe Panikmache und Verunsicherung der Bevölkerung“. In einer Mitteilung macht die Organisation ihren Standpunkt klar: „Der Antrag suggeriert, dass die Sicherheit der Menschen und die Existenz der Weidetierhalter durch den Wolf bedroht seien und dass durch den Abschuss von Wölfen die Lage der Nutztierhalter verbessert werden könne, das ist allerdings nicht der Fall“, sagt Martin Schmidt, der Landesvorsitzende des NABU Thüringen.
+++ Thüringen: Neuer Laden sorgt für Wirbel! Er ist einzigartig im Freistaat +++
Weiterhin stellt Schmidt klar: „Fakt ist, dass es seit 2000 – seitdem gibt es wieder Wölfe in Deutschland – keine Situation gegeben hat, bei der sich freilebende Wölfe gegenüber Menschen aggressiv verhalten und sie gleichzeitig verletzt haben.“ Zudem stehe fest, dass der Wolf nur einen sehr kleinen Anteil der Weidetiere reißt. Vielmehr seien andere Todesursachen viel häufiger. Das geht auch aus den Zahlen hervor. Im Jahr 2023 seien beispielsweise in Thüringen rund 4.771 Schafe zu Tode gekommen – lediglich 47 davon wurden durch einen Wolf gerissen.
„Das liegt nicht am Wolf“
Außerdem macht der NABU Thüringen darauf aufmerksam, dass der Anblick eines Wolfes in der Nähe einer Siedlung bei weitem nichts Ungewöhnliches darstellt. Denn die Tiere hätten sich mittlerweile an den Menschen gewöhnt, sprich: sie schrecken auch kaum noch vor Autos oder Traktoren zurück. Zudem ist das Revier eines Wolfes bis zu 300 Quadratmeter groß. Da bleibt es kaum aus, dass auf so einer Fläche auch eine Siedlung mit dabei ist. Wie der NABU Thüringen erklärt, wählen Wölfe bei Wanderungen schlicht und einfach den kürzesten und bequemsten Weg – und der geht dann eventuell auch mal durch eine Siedlung. Fahrzeuge nehmen die Tiere nicht als Bedrohung wahr. Jedoch machen die Tierschützer auch darauf aufmerksam, dass wir Menschen den Wolf nicht mit herumliegendem oder ungesichertem Futter anlocken sollten.
Mehr News:
Doch was ist die Lösung rund um die Wolfs-„Problematik“? Eine Herabstufung des Schutzstatus laut Schmidt jedenfalls nicht. Dieser fordert: „Will die Landesregierung Weidetierhaltern wirklich sinnvoll helfen, dann braucht es zukünftig ein Herdenschutzzentrum, welches Weidetierhalter gezielt bei Maßnahmen für einen funktionierenden Herdenschutz unterstützt. Genauso wichtig ist es, Weidetierhalter in Thüringen bei der Sicherung stabiler Einkommen und bei Vermarktungsmöglichkeiten zu fördern. Bleibt die Politik hier untätig, werden die Existenzen von Weidetierhaltern aufs Spiel gesetzt – und das liegt nicht am Wolf.“