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Durch Thüringen geht ein Aufschrei – bleiben Schüler auf der Strecke?

Bleiben in Thüringen Schüler bald auf der Strecke? Mehrere Verbände befürchten einen Kollaps. Der Grund ist ein Vorstoß der Landesregierung.

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Wer etablierte Systeme umbauen möchte, sorgt an der einen oder anderen Stelle auch mal für Schutt und Asche. Kritiker der Bildungspläne der Thüringer Brombeer-Regierung befürchten aber, dass ein über Jahre erprobtes Konzept komplett einstürzen könnte.

Bildungsminister Christian Tischner (CDU) will jedenfalls die Schulordnung ändern. Nicht alle seine Vorschläge stoßen dabei auf Widerstand. Wo aber kritisiert wird, da fliegen die Fetzen. Und nicht zu lasch. Eltern-, Sozial- und Lehrerverbände gehen in Thüringen auf die Barrikaden.

Thüringen: Brombeer-Vorstoß in der Kritik

„Bei einer Umsetzung des Verordnungsentwurfs sehen wir den versprochenen Schulfrieden gefährdet“, teilte die Landeselternvertretung (LEV) noch am Sonntag (16. März) mit. Aus ihrer Sicht steht mit dem Entwurf von Bildungsminister Tischner das gesamte Konzept der Gemeinschaftsschule auf der Kippe. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Plan, ab der Klasse 6 wieder das Sitzenbleiben zu ermöglichen. In Gymnasien und Regelschulen wäre eine solche Änderung recht unproblematisch. An Gemeinschaftsschulen sieht das aber anders aus.

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Der Grund? In Gemeinschaftsschulen findet der Unterricht zum Teil auch jahrgangsübergreifend statt. Ein Schüler, der zum Beispiel in Mathe weit voraus ist, kann auch in den höheren Klassen mitbüffeln. Wenn jemand Nachholbedarf hat, geht das aber auch in die andere Richtung. Die Frage ist: Wie findet man bei einem solchen System einheitliche Regeln, ob ein Schüler in die nächste Klasse aufsteigen kann? Die LEV befürchtet einen Kollaps.

Wirft die Regierung den Schulfrieden über Bord?

„Der Minister hat uns mehrfach einen Schulfrieden versprochen. Der jetzige Verordnungsentwurf ist jedoch ein Angriff auf die Existenz der Thüringer Gemeinschaftsschulen“, so die Elternvertreter. Die Kritik der Grünen schlägt hier in eine ähnliche Kerbe: „Es ist keine 100 Tage her, dass die Brombeer-Regierung einen Schulfrieden angekündigt hat – jetzt ruft die Landesregierung offenbar klammheimlich den Krieg gegen die Thüringer Gemeinschaftsschulen aus“, sagte Grünen-Landessprecherin Ann-Sophie Bohm.

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Das Thüringer Bildungsministerium hält dennoch an seinem Vorstoß fest. Versetzungsentscheidungen seien ein wichtiges Motivations- und Frühwarnsystem und verhinderten, dass Wissens- und Lernlücken von Klasse zu Klasse mitgenommen werden, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. „Im Sinne des Schulfriedens sollen dabei die Schularten gleich behandelt werden.“

Petition gestartet

Kritik kam am Dienstag (18. März) vom Paritätischen Thüringen. „Die geplante frühere Versetzungsentscheidung widerspricht dem Grundgedanken der Thüringer Gemeinschaftsschule“, heißt es in einer Mitteilung. Bisher war es so, dass eine Versetzungsentscheidung erst ab Klasse 8 getroffen werden konnte. „Frühe Versetzungsentscheidungen bedeuten, dass benachteiligte Kinder mit Förderbedarf geschwächt werden und Inklusion nicht gelebt werden kann“, so der Sozialverband weiter.

Für die Schüler an den Gemeinschaftsschulen wäre es in jedem Fall eine radikale Änderung. In vielen Einrichtungen werden klassische Noten erst ab der Klasse 8 verteilt – so etwa an den staatlichen Jenaplan-Schulen in Jena, Weimar und Erfurt. Eltern befürchten, dass ein solches System mit den Plänen des Bildungsministerium vollkommen unvereinbar ist.

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Eine Ausnahme schließt die Regierung aber bisher aus. „Eigenverantwortung der Schulen bedeutet nicht Beliebigkeit. Unser Ziel ist es, Schulleitungen zu stärken, indem wir klare und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen“, erklärt das Ministerium gegenüber dem MDR-Thüringen.


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Am Mittwoch (19. März) ist in Weimar eine Demonstration gegen die Pläne der Landesregierung geplant. Auf der Plattform „change.org“ wurde daneben eine Petition geschaltet, bei der bis Mittwochnachmittag (Stand 11 Uhr) über 3.000 Menschen ihre Unterschrift hinterließen. (mit dpa)