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„Fakt ist!“ Erfurt: Kopfnoten-Knebel oder nicht? Brombeer-Pläne lösen „Bauchschmerzen“ aus

Die Diskussion um eine Änderung der Schulordnung kocht im ARD-Format „Fakt ist!“ aus Erfurt hoch. Ein Schüler findet emotionale Worte.

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© MDR/Hagen Wolf

Thüringen: Fünf kuriose Fakten über den Freistaat

Der Freistaat Thüringen hat Einiges zu bieten. Hier kommen fünf kuriose Fakten, die du vielleicht noch nicht wusstest.

Die Diskussion um die geplante Schulreform der Brombeer-Koalition wird uns in Thüringen wohl noch eine Weile begleiten. Die Landesregierung will Sitzenbleiben früher als bisher möglich machen und setzt sich für umfassende Kopfnoten ein. Der Protest bei Eltern, Schülern und auch bei Lehrern ließ nicht lange auf sich warten. Das Thema ließ auch im MDR-Talkformat „Fakt ist!“, das am Mittwoch (2. März) aus Erfurt gesendet wurde, die Emotionen hochkochen.

Welche Ängste in der Diskussion dabei mitschwingen, verdeutlich die Wortmeldung eines Schülers in der Sendung. Was er bei „Fakt ist!“ in Erfurt zu sagen hatte, liest du hier.

„Fakt ist!“ Erfurt: Diskussion um Brombeer-Pläne

Zur Erinnerung: Die Brombeer-Koalition, bestehend aus CDU, BSW und SPD, will in den Thüringer Schulen Kopfnoten wieder einführen und auch das Sitzenbleiben ab Klasse sechs wieder ermöglichen. Damit das passieren kann, muss die Schulordnung im Freistaat geändert werden. Ein entsprechender Entwurf sorgte im Vorfeld für viel Zündstoff. Vor allem Gemeinschaftsschulen befürchten, dass der Vorstoß ihre Existenz bedrohen könnte (Thüringen24 berichtete).

Die Pädagogin Maria Hallitzky fand in der Sendung deutliche Worte. „Schüler sitzen bleiben zu lassen, ist aus pädagogischer Sicht nicht haltbar und Kopfnoten haben keine Aussagekraft“, kommentierte sie die Pläne der Thüringer Landesregierung. Die Befürworter sehen im Vorstoß aber einen Ansporn auf mehr Leistung in den Schulen, der dringend nötig sei.

Schüler wird in der Sendung ehrlich

Das Thema bewegt aber auch die Schüler. In der Sendung meldete sich Leon aus Erfurt zu Wort, der vor allem mit Kopfnoten in der Vergangenheit weniger gute Erfahrung gemacht hat. „Das hat oft dazu geführt, dass Lehrerinnen und Lehrer meistens Schülerinnen und Schüler kontrolliert haben, die vielleicht nicht so gut dastanden oder mit denen sie persönlich nicht so gut zurechtkamen“, sagte er. „Man ist eigentlich jedes Mal in den Unterricht hineingegangen mit einer Angst davor, obwohl man eigentlich bereit war und auch im Thema stand. Aber man kann auch mal einen schlechten Tag haben.“

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Die Befürchtung ist also, dass Schüler durch die Ausweitung der Kopfnoten auch der Willkür der Lehrkräfte ausgesetzt sein könnten. „Dann ist es auch so: Man wacht auf und merkt schon früh, man hat Bauschmerzen deswegen“, so der Erfurter Schüler.


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Ob die geplanten Änderungen auch tatsächlich Einzug in die Thüringer Schulordnung finden werden, muss sich erst noch zeigen. Bildungsminister Christian Tischner (CDU) rechnet jedenfalls mit Änderungen am derzeitigen Entwurf. „Der Rahmen wird gegeben durch die Schulordnung. Und dann müssen wir gucken, wie im Rahmen beispielsweise der reformpädagogischen Konzepte Öffnungen möglich sind“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).  „Der Rahmen muss sein: Die Versetzungsentscheidung ab der sechsten Klasse kommt – im Allgemeinen“, sagte Tischner. Bestimmte Ausnahmen schloss er aber nicht aus. (mit dpa)